Buchrezensionen über Fotografie
Buchrezension: Digitale Porträtfotografie
Die digitale Nachbereitung „gestattet es, dass man auch in schwierigen Lichtverhältnissen oder bei schwierigen Motiven noch brauchbare Fotos machen kann, weil man weiß, dass man bei der Bildbearbeitung am Computer spektakuläre Veränderungen vornehmen kann.“ Diese Feststellung des Autors Duncan Evans, trifft den Kern des Anspruchs des Ratgebers, „Digitale Porträtfotografie“, sich zwischen digitalem Auge und digitaler Nachbereitung zu bewegen.
Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den Porträtaufnahmen: Motivwahl, gestellte oder ungestellte Porträts, Licht, Stimmung, Hintergrundgestaltung, zarte oder kräftige Farben - Porträtaufnahmen zählen zu den kreativsten Disziplinen der Fotografie.
Neun Kapitel befassen sich damit, das beste aus einem bestimmten Motiv zu machen. Neben dem Finden von Motiven werden die verschiedenen Bereiche der Porträtfotografie anhand von praktischen Anleitungen vorgestellt: Innen- und Außenaufnahmen, Studioaufnahmen, Hochzeitsfotos, Aktfotos, Modefotos, Familienporträts. Kopfporträts etc.
Jeder Abschnitt wird von einem professionellen Fotografen begleitet. Eine Anleitung von der Aufnahme bis zum (digital nachbereiteten) fertigen Bild illustriert anschaulich die Entstehung an einem konkreten Beispiel. Neben dem Autor selbst, präsentieren u.a. die Fotografen Helen Jones, Yann Keesing, Gry Garness, Shelly Sanders oder der Künstler Konrad ihre jeweilige Vorgehensweise.
Jeder Schritt der Nachbereitung wird dabei dokumentiert und praktisch für jeden Abschnitt zusammengefasst: Welche Kamera wurde benutzt? Warum welcher Bildausschnitt gewählt? Welche Filter haben welchen Effekt erzielt? Warum wollte der Effekt erzielt werden? Welches Defizit musste ausgeglichen werden?
Zudem geben kurze Hintergrundsinformationen zusätzliche Einblicke in die jeweiligen Motiveigenschaften. Sinnvoll ausgewählte Bilder illustrieren die wichtigsten Entstehungsetappen und machen die Ausführungen umso nachvollziehbarer.
Auf 128 Seiten präsentiert sich der Ratgeber (Originaltitel: A comprehensive guide to Digital Portrait Photography) einem Leser, der einen generellen Einstieg in die digitale (Porträt)fotografie sowie die konkreten Möglichkeiten der Bildnachbereitung, aufbauend auf Photoshop für Fotografen, sucht.
Für Puristen ist das Buch nur bedingt geeignet, insofern den Bearbeitungsmöglichkeiten ein großer Platz eingeräumt, wird, sodass die technischen Grundlagen des Fotografierens kaum berücksichtigt werden.
EVANS, Duncan; Moos, Ludwig (Hrsg.): Digitale Porträtfotografie. Rohwolt Verlag GmbH. Reinbek bei hamburg 2004.
Rezension von Till Wörfel
Buchrezension: Der fotografische Blick von Michael Freeman
Ein anderer Blick.
Eine gute Kamera macht noch lange keinen guten Fotografen, besonders keine besseren Bilder. Dieser Einsicht geht das 2007 erschienene Buch „Der fotografische Blick. Bildkomposition und Gestaltung“ auf den Grund. Es hat den Anspruch, die Welt der Fotografie aus den Augen des Fotografens zu zeigen. Dabei referiert es aus dem Prozess des Fotografierens, als Insider, der die physikalischen, psychologischen und antizipierenden Aspekte des Fotografierens automatisiert hat und jene versucht dem Leser zu erläutern.
„Nach der Lektüre sehen Sie die Welt durch den Kamerasucher mit neuen Augen“ wirbt der Verleger. In Zeiten der Massenproduktion digitaler Kameras, Equipment und zahlreicher Lektüren, ein gewagter Ausblick. Doch soviel sei vorweggenommen, der Behauptung wird durchaus nachgekommen.
Nicht nur, dass das Buch hält, was Autor und Fotograf Michael Freeman in seinem Vorwort ankündigt, insbesondere ermöglicht das Buch, neben einem umfangreichen Netzwerk an Fotografiekomponenten, Einblicke in die Welt der Fotografie, die eigentlich nur Profis vorbehalten sind. Das Buch ist zudem intelligent konzipiert, es führt den interessierten Leser auf 192 Seiten von der Basis, über Grundlagen, ( Foto)grafischen Elementen, bishin zum intuitiven oder konstruierten Entstehungsprozess eines Fotos. Darüberhinaus stellt es verständlich auch komlexere Themen vor.
Der Leser erfährt im ersten Kapitel alles über den Rahmen eines Bildes, welcher im darauffolgenden Kapitel gefüllt wird auf der Grundlage von Balance, Rhythmus, Tiefe und visueller Gewichtung.
Dabei gelingt sogar dem zwar sehr einfach gehaltenen, aber durchaus nützlichen Exkurs in die Wahrnehmungspsychologie, in Sphären vorzudringen, die kaum ein Handbuch zur Fotografie bietet. Darauf aufbauend, liegt der Schwerpunkt im dritten Kapitel auf Punkten, Linien, Kurven, und geometrischen Formen (u.a Goldener Schnitt, Fibonacci-Serie).
Erst im vierten Kapitel liefert eine etwas kurze aber sehr nützliche Einführung in die Farbenbeziehungen, farbdramaturgische Aufschlüsse. Die beiden letzten Kapitel widmen sich ganz dem Entstehen eines Fotos. Hierbei wird detailgetreu wert gelegt, was wie eigentlich fotografiert werden soll bzw. kann.
Die Erfahrungen des Autors ermöglichen hilfreiche Erläuterungen hinsichtlich der Postproduktion, des Antizipierens und intuitiven Herauslesens eines Bildausschnitts.
Die Tatsache, dass nur sehr wenige Hinweise zum digitalen Nachbereiten von Fotos in diesem Buch zu finden sind, kann sich aus der Philosophie des Fotografen Freeman ergründen, der immer wieder die Wichtigkeit der (intuitiv) guten Planung eines Fotos betont.
Michael Freeman war über viele Jahre einer der führenden Fotografen der Zeitschrift Smithsonia und arbeitet heute regelmäßig für GEO, TimeLife-Book, Reader's Digest und die BBC.
Sein Schwerpunkt liegt in der Reisereportage und Architekturfotografie. Er ist an über 100 Büchern (u.a. über Südostasien, Afrika) beteiligt, darunter als Verfasser von über zwanzig Fotobüchern. Seine inhaltlichen Ausführungen in Der fotografische Blick sind zwar nicht neu oder innovativ, dennoch von großem Wert, da sie sehr pragmatisch auf der Seite des professionellen Fotografen angelegt sind.
Dem Fotografie interessierten Leser ermöglicht er dadurch einen anspruchsvollen Inhalt, der mit zahlreichen groß- und kleinformatigen Fotografien sowie Schemata visuell nachvollzogen werden kann. Einziger Schwachpunkt ist die teilweise missverständliche Übersetzung aus dem Englischen, die in einigen wenigen Fällen zu Ungenauigkeiten führt.
Das heutige Begehren der digitalen Kameramodelle, die es auch schon im semiprofessionellen Bereich zu bezahlbaren Preisen gibt, hat sicherlich nicht zu einem proportianalen Anstieg der Kenntnisse über das Fotografieren geführt. Kameras werden heute eher wie Spielzeuge behandelt. Dieses Buch kann das Spielzeug zum Werkzeug machen, insofern der Leser/Fotograf hierzu bereit ist. Mehr als ein Appell gegen die Knipserei. Da klingt es fast ein wenig zynisch, wenn Freeman schreibt, dass letztendlich die Fotografie nicht mehr und nicht weniger ist „als Bilder machen – Sie, die Kamera und Ihr Motiv. Und nur das.“
FREEMAN, Michael: Der fotografische Blick. Bildkomposition und Gestaltung. Markt+Technik Verlag. München 2007. 192 Seiten.
Autorisierte Übersetzung der englischen originalausgabe „The photographer's Eye“, The ILEX Press limited, 2007.
ISBN 978-3-8272-4288-4 kart. : EUR 29.95 (DE), EUR 30.80 (AT), sfr 51.50 Verzeichnet in Deutsche Nationalbibliographie.
Weitere Informationen und Publikationen des Autors finden Sie auf
http://michaelfreemanphoto.com/
http://Smithsonianmag.si.edu
Rezension von Till Wörfel





